Sie war eine der ganz Großen des bayerischen Kabaretts und immer, wenn sie bei einer Veranstaltung der Münchner Turmschreiber auftrat, war das auch für uns Turmschreiberinnen und Turmschreiber ein Ereignis. Als scharfsinnige Beobachterin der alltäglichen Sinn- und Unsinnigkeiten entlarvte sie das Verhalten ihrer Zeitgenossen, was das Publikum wiederum sehr genoss. 2019 ist ihr durch die Münchner Turmschreiber der Bayerische Poetentaler verliehen worden. Im Juni 2023 ist sie nun überraschend verstorben.

Maria Peschek war schon eine „Powerfrau“ als es dieses Wort noch gar nicht gab. Sie verlieh ihren Bühnenfiguren wie der Ratschkathl Paula Pirschl eine Präsenz, die Zuschauer und Zuschauerinnen sofort packte. Als Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin vereinte sie all das, was man – besser frau – braucht, um auf der Bühne und vor der Kamera einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Maria Peschek kam am 12.August 1953 in Wenig (Landkreis Landshut) zur Welt, wuchs in München auf und machte zunächst eine Ausbildung zur Erzieherin. Ob ihr das wohl diesen besonders analytischen Blick auf die Menschheit beschert hat? Das Zuhause dürfte an ihrer Freude am Komischen auch nicht ganz unschuldig gewesen sein. Sie habe die Familie gerne unterhalten, sei gern ein „Kasperl“ gewesen, wenn der ihr gegenüber besonders strenge Vater nicht da war, meinte sie in einem Portrait des BR, das Ende 2022 entstanden war.
Maria Peschek besuchte schließlich die Otto Falckenberg-Schule für darstellende Kunst in München und wurde Schauspielerin – da war sie 23 Jahre jung. Zwei Jahre später wurde bei ihr eine unheilbare, rheumatische Auto-Immunerkrankung festgestellt. Trotz Schmerzen stand sie auf der Bühne. Im Interview mit dem BR meinte sie dazu: „Ich wollte das nicht annehmen. Und ich dachte, dass das Schauspielen für mich lebensnotwendig ist.“
Nach einigen Theaterengagements erfolgte 1985 der Auftritt als Paula Pirschl beim Wettbewerb um das Passauer Scharfrichterbeil. Maria Peschek kam auf Platz zwei. Damit fiel der Startschuss für eine beeindruckende Kabarett- und Schauspielkarriere. “Ja wo samma denn“ lautete der Titel ihres ersten Solo-Kabarettprogramms, mit dem sie 1986 im Münchner Fraunhofertheater auftrat. Es folgten Kabarettprogramme zusammen mit den Wellküren, Tourneen mit Michael Skasa, weitere Soloprogramme, zahlreiche TV-Rollen in Filmen und Fernsehserien. Im Jahr 2004 wurde ihr erstes Theaterstück „Entschuldigung“ am Münchner Theater am Sozialamt uraufgeführt. Fortan schreib sie weitere Stücke für das TamS, zuletzt „Vorsicht Sturzgefahr“ (Premiere Januar 2018).
Ausgezeichnet wurde das Multitalent Peschek mit dem Ernst-Hoferichter-Preis (1999), dem Kabarettpreis der Landeshauptstadt München (2009), dem Bayerischen Poetentaler (2019) und dem Schwabinger Kunstpreis (2020).
Maria Peschek war Mutter zweier Kinder und lebte mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Helmut Dauner, auf dem Land in Bayern.
Mit ihrem Tod verliert die bayerische Kulturlandschaft ein ganz besonderes „Gewächs“, das in seiner Besonderheit die „kulturelle Artenvielfalt Bayerns“ ungemein bereichert hat. Liebe Maria, wir verneigen uns vor Dir!
Melanie Arzenheimer
für das Präsidium der Münchner Turmschreiber
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