Herbert Schneider, Gründer der Turmschreiberinnen und Turmschreiber, wird 99 Jahre alt

Wenn er von seinen Anfängen erzählt, klingt das so: „Am 8. Oktober 1922, ausgerechnet an einem Sonntagabend, hab ich meiner Mutter andere Umstände g´macht und in der Münchner Schwanthalerhöh das elektrische Licht erblickt. In meiner Schul­zeit bin ich ein fleißiger Apfelstrudelesser und anerkannter Champion im Schussern gewesen, hab in den Kriegsjahren ein Muli am langen Zügel bis in den Kaukasus geführt. Mit viel Glück heimgekehrt, wär ich nach 1945 gern Rad­rennfahrer worden, wenn´s mir nicht mein Radl gstohln hätten. So bin ich halt Journalist und Schriftsteller worden, hab unzählige Bücher g´schriebn, mehrere Bäume pflanzt und zwei Kinder gezeugt, hab also mehr getan als es die Dienstvorschrift befiehlt.“

Der das von sich erzählt ist Herbert Schneider, der weiß, dass man 99 Jahre und älter nur werden kann, wenn man den Humor nicht verliert. Und mit dem füllte er in seinem Leben nicht nur ein halbes Hundert Bücher sondern auch Zeitungen mit bis heute mehr als 5000 klugen Feuilletons, geistreichen Kolumnen, humorvollen Glossen und pfiffigen Kommentaren. Und seinen Humor sieht man ihm auch am Gesicht an, das einen an einen nie alternden Lausbuben erinnert.

Herbert Schneider mit seinem Rennrad

Als 1959 Hannes König das „Valentin-Musäum“ gründete, wurde Karl Valentin zum Schutzgeist der eben gegründeten Autorenvereinigung „Turmschreiber“ und Herbert Schneider zum jüngsten Gründungmitglied dieser Gruppe. Als Autor war er aber schon einer der bekanntesten, hatte er doch bereits 1956 als einer der ersten Mundartautoren nach dem Krieg den Gedichtband „D´ Münchner Rass“ veröffentlicht, in dem er Milieu, Kolorit und Seele der Münchner mit Gemüt, Witz und leiser Ironie schilderte.

„Herbert Schneider“, so notierte der exzellente München-Kenner und sein Turmschreiberkollege Ludwig Hollweck, „wärmt keine alten Simpl-Witze in neuer Form auf, er schwärmt nicht von der guten alten Zeit. Er ist ein Mensch voller Humor, der aber auch einmal grantig sein kann; seine Werke sind echte bayerische Dichtung.“ Das bestätigte auch der Verleger Friedl Brehm: „Eine Brücke für die Dichtung in der bayerischen Sprache schufen nach dem Zweiten Weltkrieg zweifellos auch die Münchner Zeitungen mit den Kolumnen von Sigi Sommer und den Gedichten von Herbert Schneider.“ Kein Wunder, dass Schneider mit Preisen geradezu überhäuft wurde.

Aber nicht nur den Pegasus ritt der fleißige Autor, auch im Sattel seines Rennrades war er von Jugend auf unterwegs. Bereits sechsmal strampelte er auf das 2758 Meter hohe Stilfser Joch, um dort oben Fausto Coppi ins Denkmals-Auge zu blicken. Von den Pässen Südtirols gibt es nur wenige, die von ihm nicht schon „betreten“ wurden. Seine beste Jahresbilanz waren 1989 stolze 9099 Kilometer. Im Winter nahm er an Dutzenden von Volksläufen teil, allein die 72 Kilometer des Koasalaufs in Tirol bewältigte er fünfmal. Es verwundert nicht, dass er auch der von ihm so benannten „Zipfelmützen-Mafia“ ein eigenes Buch mit dem Titel „Langläufer lachen länger“ widmete. Dass dem so ist, zeigt der 99. Geburtstag von Herbert Schneider, zu dem ihm alle Turmschreiberinnen und Turmschreiber und alle Bayerinnen und Bayern auf Allerherzlichste gratulieren und ihm von Herzen nur eines wünschen: „Bleib xund, lieber Herbert, und zeig uns auch weiterhin, wie alt Turmschreiberinnen und Turmschreiber und Rennradlfahrerinnen und Rennradlfahrer wirklich werden können.“

Alfons Schweiggert und alle Turmschreiberinnen und Turmschreiber gratulieren Dir recht herzlich