Er war Schriftsteller, Journalist und Dichter. Nun ist Franz Freisleder im Alter von 93 Jahren in München verstorben. Journalisten- und Turmschreiberkollege Helmut Seitz über F.F. und sein Werk:
Sein Namenskürzel lautete F. F. – und nach neuestem Duden könnte man das als „Fom Feinsten“ interpretieren, so wie einst das ff für beste Qualität. Sicher waren auch Brote, Brezen, Semmeln und Kuchen aus der väterlich-Freislederschen Bäckerei ff gewesen – in Schwabing übrigens, wo er 1931 zur Welt kam, der „Froase“ (wie ihn Freunde und Kollegen gern nannten). Sein Berufsweg führte ihn allerdings nicht an den Backofen: Statt einer Bäckerlehre machte er das Abitur am Giselagymnasium, allerdings mit Unterbrechung. Als die Schule wegen der Bombenangriffe in ein Kinderlandverschickungslager an den Walchensee verlegt wurde, ließ sich der erst 13jährige in die BMW-Werke kriegsdienstverpflichten, um daheim bleiben zu können. Er fungierte auch als Luftschutzmelder mit dem Radl und als Helfer im „wehrwichtigen“ Betrieb der Eltern. Das Abitur schaffte er schließlich trotzdem locker. Davor hatte er sich im Blue Room des damaligen Amerika Hauses (bis kurz zuvor noch Hitlers „Führerbau“) vom Jazz begeistern lassen. Auch in den Theatern war wieder was los: Bis dahin verbotene Autoren wie Zuckmayer und Brecht wurden nun gespielt, es gab plötzlich politisches Kabarett, aber vor allem „inhalierte“ Franz Freisleder gierig Artikel von Erich Kästner und Egon Jameson in der „Neuen Zeitung“ (einem Blatt der Militärregierung) und dito die „Schreibe“ von Werner Friedmann, W. E. Süskind, Ernst Müller-Meiningen jr., Hans Braun und Gunter Groll in der noch nagelneuen „Süddeutschen Zeitung“ –nicht ahnend, dass er eine Weile später selbst Mitarbeiter und schließlich Redakteur und Ressortchef dieses Blattes sein würde. Davor kam allerdings ein Studium in den Fächern Zeitungs- und Theaterwissenschaft sowie Volkswirtschaft. Daneben war er ab 1952 bereits Volontär und später Redakteur im Fachzeitschriftenbereich des Richard-Pflaum-Verlags. 1955 wurde er SZ-Mitarbeiter und von 1970 bis 1996 leitete er die Lokalredaktion, von 1991 bis 1996 war er zugleich Chefredakteur des „Münchner Stadtanzeigers“. Soweit das Journalistenleben des Franz Freisleder, für das er sich schon ganz früh ein Zitat des berühmten Wilhelm Hausenstein als Leitsatz gewählt hatte. Der nämlich schrieb 1945 als sein Wunschbild der neuen deutschen Nachkriegspresse, er wolle „eine Zeitung ohne aufdringliche Schlagzeilen, ohne die auf Dauer langweilige Aufgeregtheit, hinter welcher die Leere gähnt; eine Zeitung, die dazu anregt, öffentliche Gegenstände mit sachlicher Vernunft zu überblicken“.
Freilich gab es außerhalb Münchens nicht wenige Leser, die nur Freisleders ganz andere Seite kannten und liebten. Schon als Student hatte er nämlich Couplet-Texte für die „Weißblaue Drehorgel“ im Bayerischen Rundfunk geschrieben, und seit Ende der sechziger Jahre veröffentlichte er zahlreiche Bücher mit Gedichten, Versen und „Gstanzln ohne Musi“. Einer seiner Bestseller wurde aber die „Bayerische Gschicht im Gedicht“ (1984). In den achtziger und frühen neunziger Jahren war er regelmäßig im Funk und auch im Fernsehen zu erleben: Mit seinen Gedichten, mit informativen Plaudereien zu spezifisch weißblauen Themen und als Moderator. Und außerdem waren seine guten Sachen in vielen Anthologien zu finden. Mitglied der Münchner Autorenvereinigung Turmschreiber war er seit 1972. Für alles, was er schrieb und tat, konnte er eine stattliche „Trophäensammlung“ vorweisen: den Bayerischen Verdienstorden, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Goldene Verdienstmedaille des Bezirks Oberbayern, die Medaille „München leuchtet“ in Silber, den Theodor-Wolff-Preis (für kommunalpolitische Leitartikel), den Tukan-Preis der Landeshauptstadt, den Bayerischen Poetentaler sowie die Medaille für besondere Verdienste um den Münchner Schulsport.
Man fragt sich zwar, wann er denn das auch noch gemacht hat, aber in der Tat war er sieben Jahre lang Zweiter Vorsitzender des Vereins „Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e. V.“ und als Ehrenmitglied des Münchner Trabrenn- und Zuchtvereins von 1996 bis 2000 auch dessen Präsident. Pferde waren seit frühester Jugend sein Hobby Nummer 1: Schon als Schüler und Student hatte er Turniererfolge als Springreiter, später holte er sich über 20 Siege als Amateur-Trabrennfahrer.
Als das Wichtigste bezeichnete er jedoch stets die Ehe mit seiner Frau Bärbl, aus der zwei Söhne und zwei Töchter hervorgingen.
Franz Freisleders Devise war „Schreiben mit sachlicher Vernunft und mit Humor“. Und so wird er auch in der Reihe der Turmschreiber*innen unvergessen bleiben.
Beitrag aus dem von H.S. Macher und Alfons Schweiggert herausgegebenen Buch "Autoren in Bayern". Helmut Seitz ist 2021 verstorben.
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